Auf Polarlichtjagd im hohen Norden - Tromso, Norwegen

Im März 2016 ging ein großer, ach was sage ich, ging DER Traum für mich in Erfüllung. Ich konnte in Norwegen Polarlichter sehen.

 

Der Trip nach Tromso fing leider mit einer Enttäuschung an. Das Gefühl am Gepäckband zu stehen und zu realisieren, dass kein weitere Koffer auf dem Band kommt und das dein Koffer noch nicht da ist, wünsche ich Niemandem. Ich hatte für den Flug nur leichte, bequeme Schuhe und eine Leggings an und die komplette Winterausrüstung war im Koffer. Das macht sich natürlich nicht so gut bei den winterlichen Temperaturen im Norden Norwegens. Aber auch ein Teil meiner Kameraausrüstung war im Koffer.

 

Das Personal der Flughafengesellschaft erklärte mir noch, dass das Gepäck in 95% der Fälle innerhalb der nächsten 24 Stunden angeliefert wird. Das war auch dringend nötig, denn schon für den nächsten Abend hatte ich meine erste Nordlichttour gebucht.

 

Mein Gepäck kam dann schließlich nach 4 Tagen an. Zum Glück gibt es in Tromso ein großes Outdoorgeschäft in dem man wirklich alles mieten kann. Vom Schneeanzug über Winterschuhe bis zum Kamerastativ und Handwärmern. Sogar eine Thermoskanne habe ich mir dort geliehen.

 

Mit den ganzen gemieteten Sachen ging es dann also am nächsten Abend um 20 Uhr auf die erste Polarlichttour. Der Guide hat jeden der 8 Teilnehmer vom Hotel abgeholt und dann ging es mit dem VW Bus inklusive W-Lan raus aus der Stadt, denn durch die Lichtverschmutzung sieht man sonst nicht viel vom Himmel. Teilweise fahren die Guides bis zur finnischen Grenze um eine Wolkenlücke zu finden.

 

Nach ca. 1 Stunde Fahrt auf komplett verschneiten Straßen kamen wir an unserem Spot für den Abend an. Es war eine große freie Lichtung im Gebirge. Nach der Ankunft wurde direkt ein Lagerfeuer gemacht, damit man sich in der Kälte etwas wärmen konnte. Es gab gegrillte Würstchen und Tee. In meinem Koffer lag auch noch der Glühwein, den ich extra für die kalten Nachttrips mitgenommen hatte.

 

Es dauerte auch nicht lange, da wurde der Himmel an einigen Stellen auch schon etwas heller und bei genauerem hinsehen konnte man schwach Polarlichter erkennen. Natürlich hatten alle bereits vorher ihre Kamera in Position gebracht um direkt loslegen zu können. Durch die Kamera war das Polarlicht auch kräftiger zu sehen. Für ca. 2 Stunden tauchten immer wieder Lichter an verschiedenen Stellen des Himmels auf, manchmal auch gleichzeitig an mehreren. Gegen 11 Uhr wurde das Polarlicht wieder schwacher und der der Wind stärker. Es war sehr kalt und trotz der geliehenen Winterboots samt Wärmeeinlagen wurden meine Füße zu Eisbrocken.

 

Gegen 1 Uhr kam der Moment an dem alle schon an Aufbruch dachten. Es war kalt und am Himmel tat sich nicht viel.

Plötzlich sah ich über mir wieder ein leichtes Flackern.

 

Ich kann nicht in Worte fassen, was dann passierte. Die Natur bat uns eine Show, die nicht schöner hätte sein können. Das Polarlicht tanzte in grünen und violetten Farben über den gesamten Himmel. Von der eisigen Kälte war nichts mehr zu spüren - Adrenalin pur. Für die nächsten 2 Stunden lag ich fast ausschließlich mit dem Fernauslöser meiner Kamera auf dem Boden im Schnee und genoss das Geschehen über mir.

Gegen 3 Uhr morgens traten wir dann überglücklich den Rückweg an.

 

Auch für den nächsten Tag hatte ich eine Nordlichttour gebucht. Diesmal hatten wir allerdings nicht so viel Glück. Die Wolkendecke war überall sehr dicht und nur ab und zu konnte man das Polarlicht durchscheinen sehen.  Trotzdem war es eine schöne Tour, denn der Guide konnte uns viel über Polarlichter und die Region erzählen. 

Für den nächsten Tage habe ich mir "Polarlichtfrei" genommen und stattdessen eine Tagestour durch die Fjordlandschaft um Tromso gebucht. Diese wurde vom gleichen Guide durchgeführt, über den ich auch die erste Nordlichttour gebucht hatte. Und zum ersten Mal konnte ich auch mit meiner eigenen Ausrüstung starten, denn mein Koffer war endlich angekommen. Ich kann eine solche Tour wirklich jedem empfehlen, da man wirklich an traumhaft schöne Orte kommt. Ich denke, die Bilder sprechen für sich.

Am nächsten Tag habe ich die Stadt und die Umgebung auf eigene Faust erkundet. In Tromso gibt es ein gutes Busnetz und man kommt so auch leicht ins Umland. Die Mitarbeiter der Touristeninformation sind sehr hilfsbereit und erstellen gerne eine individuelle Route. Eigentlich wollte ich auch mit der Fjellheisenbahn auf Tromsos Hausberg, den Storsteinen fahren, aber diese wurde gerade umgebaut und war geschlossen - dann eben beim nächsten Mal.

 

Da für meinen letzten Tag wieder klarer Himmel und gute Polarlichtaktivität vorhergesagt war, buchte ich kurzerhand in der Touristeninformation eine weitere Tor. Wenn man alleine reist ist dies meist noch am gleichen Tag möglich. man sollte aber eigentlich weit im voraus buchen, da die guten Anbieter nur wenige Plätze frei haben und diese sehr schnell ausgebucht sind.

 

Die zusätzliche Tour hat sich definitiv gelohnt und ich wurde nicht enttäuscht. Die "Green Lady" wie das Polarlicht auch genannt wird, zeigte sich wieder von ihrer besten Seite, trotzdem aber ganz anders als am ersten Abend. Auch mein mitgebrachter Glühwein kam endlich zum Einsatz und wärmte mich. Ich habe auf dieser Tour viele nette Menschen kennengelernt, einen Heiratsantrag unter Polarlicht miterlebt und zum ersten Mal die Erfahrung einer eingefrorenen Kamera gemacht.

 

Am nächsten Tag ging mein Flug zurück nach Deutschland, mit ihm zum Glück auch mein Gepäck und unglaublich tolle "Picture Moments".